Wüstenei Second-Life-Werbung
06 08 2007Der erste (und bisher letzte) Besuch in Second Life jährt sich bald. Viel hat sich seither getan, ein Jahr Hype voller virtueller Heilsbotschaften ist vergangen. Es ist daher an der Zeit, die Verheißung eines nie zu Ende gehenden Besucherstroms zu überprüfen.
Vorweg: Alles, was mit Spaß und S3X zu tun hat, läuft hervorragend in SL, ich weiß. Ich zweifle aber immer noch am herbeigebeteten Erfolg von SL-Auftritten “seriöser” Unternehmen.
Von welchen erfolgreichen SL-Auftritten wurde neulich in der asw jubilierend berichtet? Richtig, BMW, Post und IBM.
BMW:
Ödnis und Leere empfangen den wissbegierigen Öko-Raser. Allein und verlassen stolpert der verlorene Avatar durch das THXelfachtunddreißigereske Szenario. Informationen einholen ist so mühsam wie Nadeln im Heuhaufen suchen.
Die Post:
Menschen, Marken, Sensationen, es ist ein Fest der Lebhaftigkeit und der berauschenden Sinneseindrücke. Kaum zu glauben, dass der staatliche Vorgänger vor einigen Jahrzehnten noch seine “Kunden” ermahnte:
Da hilft nur Suizid an der Bar.
IBM:
Endlich ein paar Mitbesucher,
aber die Jobsuche wird zum Geduldsspiel.
Lieber wieder klassisch mit Browser und spezialisierter Suchmaschine. Besser ist das.
Mercedes:
Mit 2 weiteren Avataren genehmige ich mir eine Testfahrt.
Die virtuelle Limousine steuert sich zwar wie ein Klumpen Haferschleim, aber da die Testfahrt das erste spaßige Erlebnis in SL ist, bekommt es eine 1 mit Stern. Zahlen tät ich aber nicht für.
Danach fliege ich einsam durch die verlassenen Gassen Baden-Württembergs,
aber in München ist auch nicht mehr los.
Da geh ich doch lieber allein ins Museum.
Oder vergnüge mich gleich mit der SL Core Competence.
Boshaftigkeit, Ironie und Schadenfreude beiseite, zur Informationsübermittlung taugt SL noch immer nicht, und wer sich kein Quicktime-Monster auf die Platte laden will, bekommt viele Inhalte erst gar nicht zu Gesicht.
Aber es gibt auch Orte, die mich positiv überrascht haben, z.B. die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Bis auf wenige Ausnahmen dürfte für Auftritte “seriöser” Unternehmen jenseits der Spaß- und S3X-suchenden Mehrheit in SL die gähnende Ödnis auf der gemieteten Insel die Regel sein, nicht der über ein Jahr lang gebetsmühlenartig vorausgesagte Besucherandrang (Stand heute, wir besuchen die Orte wieder in 12 Monaten).
Masochisten können sich gern noch das Album mit allen Eindrücken reinziehen:
Nachtrag:
Medienlüge Second Life in JIM Ausgabe 1 (Uni Hohenheim; PDF)
Das Beispiel von Second Life zeigt, was medial erzeugte Realität ist. Größer hätte die Kluft zwischen den Wahrnehmungen der Internetnutzer und denen der Journalisten kaum sein können. Während die „zweite Welt“ in den Redaktionen und ihre publizistischen Werken immer wirkungsmächtiger wurde, interessierte sich in der ersten Welt kaum jemand für sie.
via trice.de
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Nachtrag 4/2008:
Daimler und Post haben sich mittlerweile aus SL verabschiedet.
Chat Atkins schrieb:
Ich hab dich da ein’n Link geschenkt …
Geschrieben am 7. August 2007 um 11:26Uhr
wolfgang schrieb:
Schönen Dank für das Geschenk
Geschrieben am 7. August 2007 um 21:25Uhr
links for 2007-08-08 auf F!XMBR schrieb:
[…] Wüstenei Second-Life-Werbung Second Life? War was? […]
Geschrieben am 8. August 2007 um 17:13Uhr